Argloser Spaziergang durch München. Da fällt einem der große Aufkleber auf der Heckscheibe eines geparkten Autos auf.

hinten

Nichts an diesem Aufkleber ist verboten. Und doch, in seiner Gesamtheit betrachtet ist er voll mit Anspielungen und Zitaten die man der rechtsextremen Szene zuordnen kann. Zwei  „Eisernen Kreuzen“  , die Schriftart, die Anspielung auf Walhaala und der martialisch aussehende Kopf sprechen aus unserer Sicht eine deutliche Sprache, sind es doch alles Anspielungen auf das Dritte Reich oder die germanische bzw. nordische Mythologie. Die Bundeszentrale für politische Bildung weißt in ihrem Artikel Woran erkenne ich Rechtsextreme? explizit auf diese Zusammenhänge hin:

Anspielungen auf die germanisch-heidnische und nationalsozialistische Vergangenheit

…weisen auf eine rechtsextreme Gesinnung hin, sowie Anspielungen auf das Dritte Reich oder die germanisch-heidnische Vergangenheit. Die Darstellung von Elementen der nordischen Mythologie ist für die extreme Rechte ein wesentlicher Bestandteil der Identitätsstiftung. Darin spiegelt sich die Sehnsucht nach einer romantisch verklärten, unverfälschten Kultur, sowie die Ablehnung des Christentums als einem „jüdischen Kulturelement“

Und wo man rechtsextremes Gedankengut findet, da ist Sexismus häufig nicht weit. In diesem Fall etwas weiter unten auf dem Nummernschild:

2017-06-09_100634

Die berühmte „666“ auf dem Nummernschild zu finden ist mit Sicherheit kein Zufall. Es fügt sich nahtlos in das Bild des Besitzers dieses Autos ein, das langsam vor unseren Augen entsteht.

Aber es gibt noch mehr zu entdecken an diesem BMW.

seite

Auch hier liegt laut Gesetz keine Straftat vor. Diese Aufkleber sind frei im Handel erhältlich. Sie sind in den unterschiedlichsten Ausführungen erhältlich. Hier ein kleiner Überblick . Gemeinsam ist ihnen eines, eine abgrundtiefe Verachtung für Mensch und Tier. Und wer so etwas an seinem Auto anbringt, bei dem kann man durchaus von einer verrohten Persönlichkeit sprechen. Der Aufkleber an diesem Fahrzeug bring zum Ausdruck: Neun Polizisten, sieben Fußgänger, drei Katzen, zwei Autos und zwei Fahrradfahrer erlegt.

Soweit haben wir hier also einen PKW dessen Besitzer sein Weltbild klar zum Ausdruck bringt. Bleibt die Frage was das mit der Bundeswehr zu tun hat.

front

Das hat es mit der Bundeswehr zu tun. An der Windschutzscheibe befindet sich ein fest angebrachter Parkausweis für die Graf-Aswin-Kaserne .

 

Ob es sich bei der Person um einen Soldaten handelt oder einen Zivilangestellten ist bis jetzt nicht bekannt und tut letztlich nichts zur Sache. Wir wollen uns auch hier nicht weiter mit diesem Menschen beschäftigen, sein Auto zeichnet da ja ein eindeutiges Bild.

Es zeichnet vor allem aber auch ein Bild des geistigen Klimas und der Zustände in der Bundeswehr und ihrem Selbstverständnis. Dieses Auto spiegelt vieles von dem Sumpf wieder, der dort weit verbreitet ist und der Umfeld und Nährboden für extreme Einstellungen in der Bundeswehr ist. Die Enthüllungen über rechtsextremistische, gewaltbereite Personen innerhalb der Bundeswehr in den letzten Wochen sind, wie wir wissen nur die Spitze des Eisbergs. Nach bekannt werden des Falles Franco A. wurde seitens der Verantwortlichen in der Bundeswehr und der Politik zumindest nach außen mit Bestürzung auf die Erkenntnis reagiert, dass es dort rechtsextreme, rassistische und sexistische Einstellungen gibt. Diese Tatsachen sind seit der Gründung der Bundeswehr bekannt und wurden immer wieder in unzähligen Berichten, Reportagen und Dokumentationen thematisiert. Wenn die Verantwortlichen jetzt überrascht reagieren dann gibt es dafür nur zwei Erklärungen. Entweder diese Überraschung ist geheuchelt oder sie ist Beweis für völlige Unfähigkeit und komplettes Versagen. Wie immer in solchen Situationen wurde sofort „tiefgreifende“ Maßnahmen eingeleitet, also Ausschüsse und Kommissionen ins Leben gerufen, Beauftragte installiert und das sonst übliche unternommen. Dies alles mag, wenn es wirklich umgesetzt wird, woran man starke Zweifel haben muss durchaus zu einer leichten Verbesserung der Situation führen. Zu einer wirklichen Änderung wird es aber nicht kommen. Autoritäre, militärische Strukturen sind nicht nur Anziehungspunkt für Menschen mit entsprechender Einstellung. Sie führen auch dazu, dass Menschen autoritäres, menschenverachtendes Verhalten übernehmen. Eine Institution in der bedingungsloser Gehorsam gefordert wird, in der Uniformität eine Tugend ist und deren Aufgabe es ist gegeben falls Kriege zu führen und möglichst viele Menschen möglichst effektiv zu töten fördert genau dieses verrohte Denken das auf dem oben vorgestellten Fahrzeug zum Ausdruck kommt.

In der Welt des Militärs und der Kasernen, so zeigen Studien wird kaum eine Einstellung akzeptiert die nicht innerhalb des Konsenses der dort Tätigen liegt. Das legt die Vermutung sehr nahe, dass in der Graf-Aswil-Kaserne solche inhumanen Äußerungen wie sie auf dem Fahrzeug zu sehen sind zumindest nicht auf Widerstand und Empörung stoßen, wahrscheinlich aber sogar auf Zustimmung. Was häufig als rauer Umgangston verniedlicht wird ist in Wahrheit erster Schritt und Teil des Weges der Menschen zu Soldaten und damit zu „potentiellen Mördern“ macht.

Zwischen Demokratie, Freiheit und vor allem Menschlichkeit und dem Militär besteht ein unauflösbarer Widerspruch. Wer Menschen dazu erzieht auf Befehl andere Menschen in größtmöglicher Zahl zu verletzen oder zu töten, der senkt oder zerstört Hemmschwellen, schafft ein Klima, in dem Gewalt im Denken, in der Sprache und ultimativ im Handeln zur Normalität wird.

Solange es militärische Institutionen wie die Bundeswehr gibt werden sie Brutstätte und Anziehungspunkt für Menschen mit rechtsextreme Einstellungen sein und Gewaltbereitschaft in Einzelnen wecken und fördern.

 

Ein Gedanke zu “Ein Auto und die Bundeswehr

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